3. MAI 2019: VORTRAG „DIE ,REICHSHERRSCHAFT GAMBURG‘ UND DIE HEXENJAGD VON 1616“

Alexandre-Marie Colin Die drei Hexen aus Macbeth 1827NUR WENIGE KAPITEL DER ABENDLÄNDISCHEN KULTURGESCHICHTE SIND HEUTE SO SEHR MIT FALSCHEN VORSTELLUNGEN BEHAFTET WIE DIE HEXENVERFOLGUNGEN. UNTER ANDEREM WERDEN DIESE FÄLSCH- licherweise oft als eine Erscheinung des „finsteren Mittelalters“ angesehen, als der Hexenglaube lange Zeit sogar als häretisch galt. Als Ausdruck von Ängsten der Bevölkerung während der Kleinen Eiszeit kann man die Gamburger Hexenjagd von 1616, die sogar gegen den Willen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit geschah, daher durchaus als typisch bezeichnen. Zwei Hexen machen Wetter mit Donner und Hagel, nach einem Holzschnitt von 1489, 19. jh
Damals erfroren im Mai die Weinstöcke und ein Hagelsturm vernichtete die Obstbäume. Daraufhin zwang das Volk die Amtskeller der Gamburg und des Unteren Schlosses zwei der Zauberei verdächtigte Frauen einzusperren. Da sich die Gemeinde der Auslieferung ans zuständige Mainzer Zentgericht zu Külsheim widersetzte, weil sie fürchtete, man würde dort „zu leiſe“ mit ihnen verfahren, wandte sich der Herr des Unteren Schlosses an den Mainzer Erzbischof, dem Bruder des verstorbenen Herrn der Gamburg, die nun von seiner Witwe geführt wurde. Während des daraufhin ausbrechenden Streits zwischen der Gemeinde und dem Erzstift beanspruchte die Burgherrschaft offenbar zum ersten Mal die Blutgerichtsbarkeit über Gamburg für sich und erklärte sich somit von Mainz unabhängig. So spiegelt sich hier ein kurioses Stück deutscher Rechts-, Kultur- und Territorialgeschichte, das letztlich auch den beiden Hexen ein überraschendes Ende bescherte…
Der Referent Goswin von Mallinckrodt beschäftigt sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der Geschichte der Gamburg, welche von seiner Familie bewohnt und erhalten wird. Über seine Forschungen zur Regionalgeschichte hält er regelmäßig Vorträge, organisiert und publiziert Tagungen und arbeitet an der kulturhistorischen Entwicklung der Burg und der Ortschaft Gamburg.
Beginn: 19.30 Uhr
Preis: 5,- € pro Person
Platzreservierung erbeten unter: 09348/605 oder mail@burg-gamburg.de
Weitere Informationen dazu →finden Sie hier!
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