„BARBAROSSA AUF DER GAMBURG“

LESUNG AUS DEN KREUZZUGSCHRONIKEN IM RITTERSAAL

„Was ist eigentlich ein Kreuzzug?“

In Zeiten von IS und Al-Qaida scheint diese Frage erneut eine hohe Relevanz zu besitzen. Inzwischen aber wird der historische Begriff „Kreuzzug“, den die hochmittelalterlichen Kreuzfahrer selbst gar nicht kannten, geradezu inflationär benutzt und nur noch selten hinterfragt. Viele meinen zu wissen, was die Motivationen der Kreuzfahrer gewesen seien. Doch sind der islamistische Terror und die modernen Eroberungspläne für ein neues Kalifat oder die westlichen Interventionen wirklich mit den christlichen Kreuzzügen ins Heilige Land und den Nahen Osten gleichzusetzen? Ein Blick in die konkrete Geschichte hilft weiter.

Rekonstruktion oberer Bildstreifen der Nordwand

Die Szenen des Kreuzzugs Kaiser Friedrich Barbarossas im Saalbau der Gamburg gelten als die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen und die einzig erhaltene Original-Ausmalung eines Rittersaales überhaupt. Das Bild zeigt die Rekonstruktion des oberen Bildstreifens der Nordwand. Der Einzug des Kaisers in das byzantinische Adrianopel, gilt als eines der ältesten und größten Bildnisse Barabarossas.

Am 10. Juni 1190 ertrank der berühmte Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa während seines groß angelegten Kreuzzugs ins Heilige Land im kleinarmenischen Fluss Saleph. Am Jahrestag dieses für die deutsche wie auch für die europäische Geschichte bedeutsamen Ereignisses findet im einzigartigen, halb-romanischen →Rittersaal der Gamburg eine Lesung aus zwei der wichtigsten Augenzeugenberichte dieses Kreuzzugs in deutscher Übersetzung statt.

Epitaph Bischof Gottfrieds I. von Spitzenberg im Würzburger Dom vor der Beschädigung im 2. Weltkrieg, heute noch im vorderen Hauptschiff zu sehen. Er wird in den Gamburger Malereien erwähnt und ist dort beim Einzug nach Adrianopel sowie der Fahrt über den Hellespont zu sehen.

Dabei handelt es sich zum einen um die „Historia de expeditione Friderici imperatoris“ des österreichischen Klerikers Ansbert, welcher den Auftraggeber des Gamburger Saalbaus, →Beringer den Jüngeren von Gamburg, als einen der bedeutenderen edelfreien Teilnehmer dieses Kreuzzugs namentlich erwähnt. Zum anderen um die „Epistola de morte Frederici imperatoris“, deren Autor wohl der Würzburger Bischof Gottfried I. von Spitzenberg war. Dieser aber wird auf den ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen, welche sich im Saal der Gamburg befinden, in äußerst frühen deutsch-lateinischen Inschriften erwähnt. Mit diesen Malereien ließ Beringer seine eigenen Kreuzzugserlebnisse darstellen, u.a. mit einem der ältesten Bildnisse des Kaisers selbst. So wird diese memoriale Bildergeschichte während der Lesung sozusagen als dritte Augenzeugenerzählung dienen und die beiden Texte illustrieren.

So begibt sich der Hörer und Betrachter auf eine abenteuerliche Reise in geschichtliche und gedankliche Welten und nimmt bis zum Tod Kaiser Barbarossas und Bischof Gottfrieds z. B. an der Eroberung byzantinischer Städte, wundersamen Erscheinungen oder der Überfahrt über den Hellespont teil.

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Miniatur aus der Historia Welforum: Kaiser Barbarossa zwischen seinen Söhnen Heinrich VI., der bereits die Königskrone trägt (links), und Friedrich von Schwaben mit Herzogshut, der seinen Vater auf den Kreuzzug begleitete (rechts). Vater und Sohn sind auch auf den Gamburger Malerien abgebildet.

Musikalisch begleitet wird dies von mittelalterlichen Weisen, welche von Andrea Baumann vom Vokalensemble „Nota Bene“ und dem Gamburger „Burgbarden“ Michael Schmitt gesanglich wie instrumental vorgetragen werden.

Eingebettet im geschichtlichen Rahmen des 3. Kreuzzugs, an dem u.a. auch König Richard Löwenherz teilgenommen hat, bietet sich damit während eines kurzweiligen Abends ein authentischer Einblick in eine brandaktuelle Thematik, deren eigentliche Geschichte heute jedoch nur wenigen wirklich bekannt ist.

TERMIN
10. Juni 2016, 19.30 Uhr

PREIS
8,- € pro Person

PLATZRESERVIERUNG EMPFOHLEN UNTER
09348/605 oder mail@burg-gamburg.de