DIE BURGGÄRTEN

Hauptachse des Burgparks

BURGPARK

Zu jedem größeren Schloss von einiger Bedeutung gehört der entsprechende Schlosspark. Die Würzburger Residenz hat ihren Hofgarten, das Weikersheimer Schloss seinen Schlosspark und das Schloss zu Heidelberg schmückte einst der Hortus Palatinus. Doch auf einer Burg? Gibt es sowas wie einen barocken „Burgpark“? Zumindest gibt es einen solchen auf der Gamburg. Denn wer, statt das Burgtor zu durchschreiten, gleich rechts davon das barocke Gartenportal passiert, dem eröffnet sich, zunächst etwas versteckt, der unerwartete Blick auf ein außergewöhnliches Kulturdenkmal: Den barocken Burgpark.

Eine der Jägerputten in den Nischen der Eibenhecke

Eine der Jägerputten in den Nischen der Eibenhecke

Mindestens zwei Mal ist er in seiner Geschichte fast vollständig verwildert und verwüstet worden, einmal im 19. Jahrhundert und dann ein weiteres Mal in den 1960er Jahren. Zwei Mal wurde er aufwändig erneuert, zunächst in den 1920er Jahren durch Graf Rudolf von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn und seit den 1980er Jahren durch die aktuelle Eigentümerfamilie von Mallinckrodt, welche an der bis dahin stark herunter- gekommenen Gamburg umfangreiche →Restaurierungs-maßnahmen durchgeführt hat. So wurde der Barockgarten nach alten Vorlagen mit Statuen und botanischen Raritäten der Zeit als Heckengarten wiederbelebt und durch die Freilegung des zentralen Wasserbassins – heute Nymphenbrunnen – sowie die sinnvolle Platzierung von Wasserspielen, Obelisken, Zypressen und Palmen restrukturiert.  Die bronzene Figurengruppe des Nymphenbrunnens, ein Satyr mit Bacchantin, ist nach einem Werk von James Pradier gestaltet und soll angeblich dessen Geliebte Juliette Drouet darstellen.

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Der barocke Burgpark auf einer künstlichen Terrasse zwischen Burg und Waldhang

Ursprünglich angelegt wurde er spätestens im 17. Jahrhundert von den Kämmerern von Worms, Freiherren von Dalberg, auf einer künstlichen Terrasse, welche am Burghang direkt vor den Wehrmauern und schroffen Sandsteinfelsen aufgeschüttet wurde. Eines der beiden noch erhaltenen und mit Wappen geschmückten Gartentore trägt die Jahreszahl 1682. Die West-Ost-Ausrichtung des Parks nördlich der Kernburg zeugt von einem →stimmungsvollen Lichtkonzept, welches das Sonnenlicht der Morgen- und Abendstunden in seine Hauptachse fallen lässt, tagsüber aber Schatten spendet.

Die bastionsbewehrte Zwingermauer der auf Sandsteinfelsen gebauten Burg überragt den Park, in dessen Hauptachse
bald das Abendlicht fallen wird.

Auf dem Parkhügel am Ende der Hauptachse befand sich ursprünglich ein Pavillon mit Blick ins Taubertal. Diesen Blick konnte man auch von den beiden noch erhaltenen Gartenbalustraden genießen, welche die Hangmauern der Terrassenanlage bekrönen, doch wird der Barockgarten heute zum Tal hin von einem Wald eingefasst, der ihn, mit der Burg auf der anderen Seite, wie einen großen, grünen Raum erscheinen lässt. Die unmittelbare Nähe des heutigen Burgparks zum Wald macht ihn schon seit Jahren zum Weideplatz für drei regelmäßig wiederkehrende Rehe, welche ihm inzwischen den Namen „Drei-Rehen-Garten“ bescherten.

Rehe

Den drei Rehen gefällt der Park besonders gut

Ein Barockgarten dieser Größe als Teil einer mittelalterlichen Burganlage, und somit als „Burgpark“, ist heute in Deutschland so gut wie einzigartig. Zumal →die Burg direkt in die Gartenplanung miteinbezogen und dementsprechend verändert wurde. Einst diente gar der staufische Bergfried als Wasserreservoir für die Springbrunnen des Burgparks, der einst nur Teil eines noch größeren Gartenkomplexes war.

EHEMALIGER LANDSCHAFTSPARK

Obelsik

Der Sandsteinobelsik während der
Sagen- und Geisterführungen

Auf dem heute verwaldeten Berghang erstreckte sich nämlich ehemals ein Deutscher Landschaftspark bis ins Tal, von dem heute noch einige Grotten, Bassins, Wege, Treppen und Alleenreste erhalten geblieben sind. Vor allem aber ein romantisch gelegener Sandsteinobelisk aus dem Jahre 1800, der noch von der hinteren Gartenbalustrade zu sehen ist und anlässlich der Hochzeit der Gräfin Antoinette von Westphalen zu Fürstenberg mit dem Grafen Friedrich Karl von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn errichtet wurde. In ihrem 1864 niedergeschriebenen Manuskript über die mehr als →21 Geister der Gamburg sind die Gärten der Burg Schauplatz schauriger Spukgeschichten. Von 1722 bis 1936 waren die (Reichs-)Grafen von Ingelheim Eigentümer der Gamburg gewesen.

TORGRABEN

Indischer Pavillon

Indischer Pavillon mit Ausblick ins Taubertal

Neben diesen beiden Parkteilen, dem heutigen Burgpark und dem verwaldeten Landschaftspark am Nordhang, besaß die Gamburg ursprünglich aber auch noch weitere Gärten. Heute erstreckt sich der Burgpark bis in den Torgraben hinein. Bis ins 20. Jahrhundert wurde auch die Fläche der ebenfalls aufgeschütteten Terrasse südlich des Burgtors als (Gemüse-)Garten benutzt. Heute begrenzen Hecken dort den Abhang und ein indischer Pavillon lädt ein zum Ausblick ins Tal. Bereits früher hat es hier einen pavillonähnlichen Gartenbau gegeben, doch war dies zur Zeit der Platzierung des heutigen Pavillons durch die aktuellen Eigentümer unbekannt. In den 1920er Jahren wurde unweit davon zudem ein Gartenhäuschen mit anschließendem Gewächshaus angebaut.

EHEMALIGE GÄRTEN IM ZWINGER, DER VORBURG & IN DEN WEINBERGEN

Eine der beiden Tänzer-Figuren von Ferdinand Tiez in denTuffsteingrotten des Zwingers

Eine der beiden Tänzer-Figuren von Ferdinand Tietz

An dieser Stelle wurde, wie übrigens auch im Burgpark, die Ringmauer des 15. Jahrhunderts aufgebrochen und umgebaut, um einen direkten Zugang in den oberen Zwinger der Burg zu erhalten, in dem ebenfalls ein Garten angelegt wurde. Davon zeugen heute vor allem noch zwei Tuffsteinnischen mit eleganten Tänzer-Statuen von Ferdinand Tietz. Auch die Vorburg, die einst den Zugang zur Kernburg kontrollierte, wurde früher lange Zeit als Garten genutzt, zumal dies schon im Mittelalter der Ort für Nutzpflanzen und die allgemeine Bewirtschaftung der Burganlage war. Außerdem wurde nach der Aufgabe der Weinberge Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Hang zwischen dem Torgraben und dem Wartturm am Hohlweg offenbar eine Art Arboretum angelegt, welches zumindest noch in Resten erhalten ist.

BURGHOF & CAFÉ

Das Café im Burghof mit mediterranen Pflanzen

Heute wird vor allem der Burghof von der Eigentümerfamilie während der Saison mit Palmen, Zitronen-, Feigen- und Oliven-bäumen sowie über 300 weiteren, meist exotischen Topfpflanzen versehen, die ihn mit herrlichen Düften erfüllen und ihm ein besonders mediterranes Flair verleihen. Die in den letzten Jahrzehnten angepflanzten Rosen, Lavendelsträucher, Zypressen und vieles mehr tun ein Übriges. Dabei profitiert der Burghof, ebenso wie der Burgpark, vom besonders milden Klima des lieblichen Taubertals und den Ausläufern des nahen Naturschutzgebietes Apfelberg.

Geigenspieler

Die Gamburger Zwergengalerie besteht aus sogenannten „Callot’schen Figuren“, welche in Barockgärten sehr beliebt waren. Im Gegensatz aber zu den meisten dieser Figuren, welche nur sehr vage von den Radierungen des bekannten Barockkünstlers Jacques Callot inspiriert wurden, beziehen sich die Gamburger Zwerge direkt auf seine Werkserie der buckeligen „Gobbi“. Hier zu sehen ist der „Geigenspieler“.

Zwischen den Pflanzen und Gemäuern wurden zudem Statuen von Putten, Tieren, Dämonen und eine direkt vom bekannten barocken Kupferstecher Callot inspirierte kleine Zwergengalerie aufgestellt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war der Bereich des heutigen →Burgcafés noch vollständig bebaut und mit einer wesentlich höheren Wehrmauer versehen, bevor all dies zur Burgterrasse planiert wurde, deren heutiger Garten mit wundervoller Aussicht von einem mächtigen Spitzahorn dominiert wird.

Blütenpracht

Blütenpracht und Sitznische an der Mauer der Burgterrasse