EINE ANTIKE WELTKARTE UND DER KREUZZUG KAISER BARBAROSSAS
Die sogenannte „Tabula Peutingeriana“ ist die einzige bis heute erhaltene Straßenkarte des spätrömischen Reichs und damit ein intensiv erforschtes Relikt der Antike. Die stilisierte Darstellung zeigt das Straßennetz von den Britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den Nahen Osten bis nach Indien und Zentralasien. Angefertigt im Hochmittelalter, ist die Tabula wohl eine Abschrift einer karolingerzeitlichen Vorlage, die wiederum auf das Original einer römischen Straßenkarte des 4. Jhs. und möglicherweise noch ältere Vorlagen zurückgeht. Die Angabe der damaligen Ortsnamen, der Entfernungen in antiken Maßeinheiten sowie der Anzahl der Tagesmärsche zwischen den Haltepunkten bildet eine wichtige Grundlage für die Straßenforschung.

Ausschnitt der Tabula Peutingeriana
Weniger untersucht dagegen ist ihr „Sitz im Leben“ im Mittelalter, insbesondere die Frage, weshalb um 1200 in Südwestdeutschland die einzige Abschrift angefertigt wurde, die wir noch besitzen und die sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien befindet. Hierzu werden zunächst die mittelalterlichen Veränderungen und Zutaten in der erhaltenen Handschrift betrachtet, um sich dann der Frage ihrer möglichen Verwendung in spätstaufischer Zeit zuzuwenden. Wurde die Vorlage der Tabula im Kloster Reichenau verwahrt, wo in einem Bücherverzeichnis des 9. Jhs. eine „Mappa mundi in duobus rotulis“ bezeugt wurd? Und wurde die hochmittelalterliche Kopie für die Ausgestaltung des Hauptsaales der Kaiserpfalz von Hagenau angefertigt? Dazu liefern der Saal der Gamburg mit seinen einzigartigen Fresken sowie weitere Bezüge zum Kreuzzug Kaiser Barbarossas, insbesondere seine (Teil-)Bestattung in Antiochia, wichtige und bislang nicht gewürdigte Argumente.
Die heute in Europa einzigartigen „Barbarossa-Fresken“ der Gamburg gelten als die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen und wurden ebenfalls um 1200 angefertigt. Die bis zu fast vier Meter hohen und künstlerisch innovativen Malereibefunde zeigen Szenen des Kreuzzugs Friedrichs I. mit einer frühen Darstellung des Stauferkaisers, der ersten Abbildung eines mittelalterlichen Rosspanzers und einer der ältesten Inschriften deutscher Sprache. Sie gelten als Erlebniserzählung des Kreuzritters Beringer und als einzig erhaltene Original-Ausmalung eines Rittersaales überhaupt.

Ausschnitt der Rekonstruktion des oberen Bildstreifens der Nordwand der Barbarossa-Fresken.
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Am jährlichen „Barbarossa-Tag“ der Gamburg am 10. Juni, dem Todestag Kaiser Barbarossas, wird Prof. Eckhard Wirbelauer vor den Barbarossa-Fresken im Rittersaal seine erstaunlichen Forschungsergebnisse präsentieren. Musikalisch begleitet wird er von mittelalterlichen Weisen des Gamburger „Burgbarden“ Michael Schmitt.
Eckhard Wirbelauer, geboren 1962, ist seit 2004 Professor an der Université de Strasbourg, zunächst für Griechische Geschichte, seit 2006 für Römische Geschichte. Sein besonderes Interesse gilt deutsch-französischen Studiengängen und Lehrangeboten von der Licence bis zur Promotion. Seine Forschungsgebiete in der Alten Geschichte liegen im Bereich der Geschichte der Stadt Rom und der Spätantike, in der griechischen und römischen Landesgeschichte sowie in der Wissenschaftsgeschichte. Ein neben der Tabula weiteres Beispiel, wie aufschlussreich Forschungen zum Fortwirken spätantiker Handschriften im Mittelalter sein können, ist seine sensationelle Identifizierung der ältesten Handschrift der Papst-Silvester-Legende aus dem 6. Jh. in einem Palimpsest der Universitätsbibliothek Klagenfurt.

Prof. Eckhard Wirbelauer
TERMIN
10. Juni 2024, 19.30 Uhr
PREIS
9,- € pro Person
PLATZRESERVIERUNG ERBETEN UNTER
09348/605 oder mail@burg-gamburg.de


