VORTRAG „DIE ,REICHSHERRSCHAFT GAMBURG‘ UND DIE HEXENJAGD VON 1616“

Nur wenige Kapitel der abendländischen Kulturgeschichte sind heute so sehr mit falschen Vorstellungen behaftet wie die Hexenverfolgungen. Unter anderem werden diese fälschlicherweise oft als eine Erscheinung des „finsteren Mittelalters“ angesehen, als der Hexenglaube lange Zeit sogar als häretisch galt. Als Ausdruck von Ängsten der Bevölkerung während der Kleinen Eiszeit kann man die Gamburger Hexenjagd von 1616, die sogar gegen den Willen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit geschah, daher durchaus als typisch bezeichnen.

Damals erfroren im Mai die Weinstöcke und ein Hagelsturm vernichtete die Obstbäume. Daraufhin zwang das Volk die Amtskeller der Gamburg und des Unteren Schlosses zwei der Zauberei verdächtigte Frauen einzusperren. Da sich die Gemeinde der Auslieferung ans zuständige Mainzer Zentgericht zu Külsheim widersetzte, weil sie fürchtete, man würde dort „zu leiſe“ mit ihnen verfahren, wandte sich der Herr des Unteren Schlosses an den Mainzer Erzbischof, dem Bruder des verstorbenen Herrn der Gamburg, die nun von seiner Witwe geführt wurde.

Während des daraufhin ausbrechenden Streits zwischen der Gemeinde und dem Erzstift beanspruchte die Burgherrschaft offenbar zum ersten Mal die Blutgerichtsbarkeit über Gamburg für sich und erklärte sich somit von Mainz unabhängig. So spiegelt sich hier ein kurioses Stück deutscher Rechts-, Kultur- und Territorialgeschichte, das letztlich auch den beiden Hexen ein überraschendes Ende bescherte…

Der vortragende Goswin von Mallinckrodt beschäftigt sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der Geschichte der Gamburg, welche von seiner Familie bewohnt und erhalten wird. Über seine Forschungen hält er regelmäßig Vorträge. Er war u.a. einer der Mitorganisiatoren, -referenten und -publizisten der internationalen Tagung „Repräsentation und Erinnerung“ über die Gamburg und das hochmittelalterliche Kulturerbe der Region. Außerdem ist er Initiator des aktuell geplanten Kulturwegs des Archäologischen Spessartprojekts zwischen Bronnbach und Niklashausen.


TERMIN

3. Mai 2019, 19.30 Uhr

PREIS
5,- € pro Person

BITTE VORANMELDEN UNTER
09348/605 oder mail@burg-gamburg.de