Arbeiten Burghof kl SFAMILIENGESCHICHTE

Reitersiegel des Gert von Mallinckrodt 1462

Die Herren von Mallinckrodt gehören zum westfälischen Uradel und werden mit dem Ritter Ludwig von Mesekenwerke, einem Lehensmann der Herren von Volmarstein, 1241 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1346 nennt sich die Familie nach der Burg Mallinckrodt bei Wetter an der Ruhr. Im 15. Jahrhundert besetzte sie führende Positionen im Deutschen Orden, etwa mit Gerhard von Mallinckrodt als Komtur von Reval, Goldingen und Riga sowie Landmarschall von Livland und mit Helmich von Mallinckrodt als Fürstbischof von Dorpat.

„Hermann von Mallinckrodt vor dem Femegericht“
von Ludwig Heupel-Siegen

Im 16. Jahrhundert stieg die Familie in das Honoratiorenbürgertum der Reichs- und Hansestadt Dortmund auf und beteiligte sich dort am lukrativen Tuchhandel. In der Zeit von 1605 bis 1802 saßen 16 Mitglieder der Familie im reichsstädtischen Rate, einer davon war zweiter, zwei waren regierende Bürgermeister. Vier bekleideten darüber hinaus das Amt des Stadtrichters. Derweil etablierte der bibliophile Bernhard von Mallinckrodt, Domdechant in Münster, Mitte des 17. Jahrhunderts den heute bekannten Begriff der „Inkunabel“ für frühe Drucke bis 1500. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 verlor Dortmund seine Reichsunmittelbarkeit. Doch auch danach stellte die Familie mit Franz von 1812 bis 1832 einen Maire und Bürgermeister Dortmunds.

Eine andere Familienlinie brachte einige namhafte Industrielle und Zeitungsverleger hervor. In den 1830er Jahren wanderten verschiedene Mitglieder dieser Linie nach Missouri aus und machten aus dem alten Ritter- und Ratsherrengeschlecht amerikanische Pioniere. 1867 gründeten drei Brüder in St. Louis das heute als Mallinckrodt Pharmaceuticals bekannte Unternehmen. Später stiftete die Familie u.a. das Edward Mallinckrodt Chemical Laboratory in Harvard, das Mallinckrodt Institute of Radiology in St. Louis und The Edward Mallinckrodt, Jr. Foundation für biomedizinische Forschung. Zu den jüngeren wohltätigen Aktivitäten eines weiteren Familienastes zählen die Förderung der Vatikanischen Bibliothek und der Bodleian Library durch George W. von Mallinckrodt.

Pauline und Hermann von Mallinckrodt

Zurück im Deutschland des 19. Jahrhunderts stiftete die selige Pauline von Mallinckrodt, eine Nichte des Bürgermeisters Franz und Tochter von Detmar von Mallinckrodt, im Zuge ihrer Fürsorge für die Blinden 1849 die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe, die sich noch zu ihren Lebzeiten u.a. auch in den USA und in Südamerika ausbreitete. Ihr Bruder Hermann wurde einer der wichtigsten Vorkämpfer der 1870 von ihm mitgegründeten Zentrumspartei und einer der profiliertesten Redner im Kulturkampf zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche. Sein Sohn Joseph heiratete Gräfin Sidony von Platen-Hallermund und wurde Oberleutnant sowie Fürstlich Thurn- und Taxischer Hofmarschall, dirigierender Geheimrat und Chef der Fürstlichen Gesamtverwaltung.

Hans-Georg von Mallinckrodt senior und Georgina Freiin von Hoenning O’Carroll auf ihrem ehemaligen Gut Spreng

Dessen Sohn Hans-Georg von Mallinckrodt senior initiierte 1930 zusammen mit Erich Fürst von Waldburg-Zeil und Abt Adalbert Graf von Neipperg die „Katholische Tatgemeinschaft“, die schließlich zur Gründung des katholischen Kampfblatts „Der Gerade Weg“ gegen National- sozialismus und Kommunismus führte. Unter dem →Chefredakteur Fritz Gerlich wurde es zu einer der wichtigsten Publikationen im Widerstand gegen Hitler. Als die SA 1933 die Redaktionsräume stürmte, konnte Hans-Georg von Mallinckrodt senior zu seiner Stiefmutter nach Neckarbischofsheim fliehen. Im Jahr davor hatte er Georgina Freiin von Hoenning O’Carroll, eine Tochter der letzten Gräfin von Seinsheim, geheiratet, woraufhin er von seinem Onkel enterbt wurde. Stattdessen versprach er nach dem Krieg seiner Stiefmutter Margarethe, einer der letzten Gräfinnen von Helmstatt, das sich aufsplitternde Erbe ihrer Familie zumindest als symbolisches Vermächtnis weiterzutragen. Eben das tat er – nach diversen Stationen wie etwa als von der amerikanischen Regierung 1945 und 1946 eingesetzter Bürgermeister von Neckarbischofsheim und mit dem Betrieb des landwirtschaftlichen Hofguts Hohenroth bei Gemünden am Main – schließlich mit dem Kauf der Gamburg von Emanuel Graf von Westerholt-Gysenberg im Jahre 1980. In der damals noch völlig heruntergekommenen Anlage wurden seitdem aufwändige Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt.

Das Wappen der Herren von Mallinckrodt
über dem Bergfried der Gamburg

Dabei entdeckte Hans-Georg von Mallinckrodt junior 1986 die spektakulären Befunde des einstigen romanischen Saalbaus der Burg, insbesondere die einzigartigen Barbarossa-Fresken mit den prächtigen Doppelarkaden des Rittersaals, und stellte u.a. auch den völlig aufgegebenen barocken Burgpark wieder her. Als Vorsitzender des Fördervereins Kloster Bronnbach engagierte er sich beim Aufbau einer Klostergemeinschaft unter Pater Hilarius M. Barth OP, von der, bis zu ihrer bedauerlichen Auflösung 1996, ein überaus reiches Geistes- und Kulturleben ausging. Seit 2002 ist er Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienstes in Würzburg. Seine Frau Nicole wurde in Paris als Prinzessin von Moukbirian-Khorkhoruni geboren, nachdem ihre Familie vor dem Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich fliehen musste. Einer der beiden Söhne, Goswin von Mallinckrodt, ist Illustrator und Kunst- historiker und engagiert sich in diversen kulturtouristischen Initiativen, wie etwa als Vorstandsmitglied der „Schlösser Burgen Gärten Baden-Württemberg“.

Zusammen setzen wir uns seit Jahrzehnten für die →Erforschung, Restaurierung und Beseelung der Burg und des Burgparks ein, um die natürliche Identität der Gamburg wieder freizulegen und in lebendiger Kontinuität zu erneuern. Sie ist daher weder Museum, noch Freizeitpark, noch enthöhlte Kulisse, sondern zeichnet sich besonders durch ihre persönliche Atmosphäre und ihren individuellen Stil aus. „Faire avancer la maison“ – „Das Haus weiter voranbringen“ ist in der Familie zum geflügelten Wort und zuweilen auch zur trotzigen Kampfparole geworden. Heute wird dieses einzigartige Kulturdenkmal ohne staatliche Hilfe weiter erhalten. Seit 2009 wird es zudem nicht mehr nur nach Voranmeldung, sondern zu →festen Öffnungszeiten und mit einem →vielseitigem Veranstaltungsprogramm konsequent touristisch geöffnet. Ohne dabei seinen privaten Charakter verloren zu haben.

„ERFORSCHEN“ – FORSCHUNGSINITIATIVEN

Dieser Abschnitt wird bald mit Inhalt gefüllt. Wir bitten noch um etwas Geduld.

„ERWECKEN“ – PRIVATE DENKMALPFLEGE

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„ERLEBEN“ – TOURISTISCHE ENTWICKLUNG

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